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September 2011 und zweierlei fällt mir auf: 1. Es reicht. 2. Irgendwas
geht weiter.
Zu 1. Es reicht: Die "Kunstgalaxis",
die ich in diesem Jahr 2011 fertigzustellen schaffte, im Internet mit
der Drehscheibe www.hyp.de verknüpft, im "Kunstcomputer" dann
als Galaxis dargestellt, ist zwar einerseits aus meiner Sicht noch eine
Baustelle. Aber sie ist verflucht rund dann doch. "Verflucht"
deshalb, weil sie schon viel zu groß ist, als dass irgendwer "von
draußen" sie überhaupt noch erfasst. Das ist nicht eigentlich
tragisch - ist dieses Geflecht von Homepages rund um meine Sicht und
Eigenproduktion an Kunst doch mehr Vorbereitung als Hinausposaunen, mehr
Wahrung der Deutungshoheit als Künstler, als dass es schon nach
Wahrgenommenwerden ruft.
Ich spürte aber eine Bremse, noch am Gefüge und an der Angebotsmenge
der bestehenden Kunstgalaxis zu rütteln, als mir ab August 2011 - nach
Jahren des eher kargen Dahindümpelns in der Stuttgarter Kultursteppe -
gleich nochmal so ein Leckerbissen den Mund stopfte, wie es, die
Kunstgalaxis irgendwie abrundend, das Führen der Galerie "Drei
Welten" im März 2011 geschafft hatte: Ich nahm am
"Sommeratelier Tübingen" teil, große Halle, super
Mit-Artisten, funktioniernd-anarchistische Organisation.
Zu 2. Irgendwas geht weiter. Die
Inhalte, die ich im Sommeratelier erarbeitete, erspielte, ertestete,
haben eines gnadenlos gemeinsam und werden deshalb hier beim Thema
"Geldverdienen" durchdacht: Sie haben eigentlich nichts mehr
mit Geldverdienen zu tun. Keine Richtung da hin, kein Gefühl dafür,
keine Notwendigkeit auch. Insbesondere erleichternd ist die fehlende
Notwendigkeit, als Künstler bitte noch dieses Jahr Geld zu verdienen.
Heraus aus dem Crash als Vollkünstler 1998, heraus aus dem Crash als
Vollarbeiter bis 2007, kann ich mich mittlerweile korrekt finanzieren
und doch Zeit freistellen. Für die eine Woche, die ich im Sommeratelier
tastsächlich präsent war, habe ich fette vier Wochen Sommerzeit
insgesamt investiert - nichts anderes gemacht. Investiert in die beste
Party - mehr wert, als auf den Mount Everest zu klettern, als am
Bundespresseball teilzunehmen, als ein Rockfestival.
Nichts geht über tiefsten Underground! Ich
merke nun nachdrücklich, dass ich auf Hinterhöfe und unaufgeräumte
Zimmer programmiert bin. Ich wusste es schon immer, es entsprach nur
nicht der gesellschaftlichen Botschaft - fröhliche konsumbereite
Menschen in der Werbung, anzugtragende Jungschaffer im Geschäft,
morbide Rumsitzer in der Gothic-Szene - alles doch anstrengend für
mich. Gerade, einfach und billig. Schnörkellos provisorisch und zu ganz
vielem bereit. So ist mein Raum, so tickt meine Zeit.
Die drei Homepages, die diese Sommerkunst
2011 feiern, liegen nach meinem Gefühl außerhalb des mit
"Nomadenkunst" gelaufenen Kreises. "Kunstcomputer"
ist nun ein öffentlich funktionierender Arbeitsplatz von mir - eine
verrückte Aufhebung des zuvor privaten Werkelns, möglich geworden
durch die Identität der Universalmaschine "Computer" mit den
Objekten der Ausstellung. Die "Motive
als Künstler" präsentiere ich mit Ironie, doch es ist nach
meinem Gefühl ein kunsttheoretischer Schlussknall, erleichternd in
seiner Fassbarkeit. "Eine Erfindung ist dann angekommen, wenn sie
im Kindergarten herumliegt" hat Ernst Bloch mal am Beispiel der
Dampfmaschine erläutert. Ja, Schluss, Bilanz, raus aus dem Affentanz.
Der "Shedblog" ist
ein Reisebericht: Ich reiste durch Angebote des Sommerateliers - was
will ich mehr? Gar nichts. Das ist es. Das war es: Reisenkönnen,
Pausenkönnen, und zwar unbedingt außerhalb des Kommerzes. Das
Sommeratelier war nicht kindisch-spielerisch, denn es war intensive
Arbeit. Aber es war eine schlüssig-spielerische Selbstbeschenkung: Du
schaffst, und greifbar daneben gibt es erwünschten Lohn.
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"Lohn"? Lohn ist, dass du
erfüllt leben kannst. Geld ist ein praktisches
Universaltauschmittel. Jeder Idiot, der daraus ein Verschuldungssystem
aufbaut, gehört aus dem Kreis getreten. Ein solcher Idiot ist
Deutschland seit 1969. Ich habe keine Schulden gemacht, im Gegenteil,
ich wurde vom deutschen Finanzamt ruinös geplündert. Aus meiner Sicht
sind, leise und deshalb so übersehen, diese Verwaltungsstellen ohne
Bürgerbesuchsmöglichkeit der Ruin eines Systems. Unkontrollierte
Verwaltungswalfische haben den Staatskommunismus ruiniert, lassen mit
ihrem Wachstum Firmen bankrott gehen und sind die Brocken, für die ein
viel zu hoher Steueranteil verbraten wird.
"Wo Gründlichkeit auf
Einfalt trifft, entsteht Verwaltung". Wie wahr. Ich zahle gefühlte
dreißig Prozent meiner Einnahmen in Deutschland bereits dann für diese
Einfalt, wenn ich gar keine Einnahmen habe. Unlogisch? Ja. Aber das
lässt die Verwaltung kalt. Verwaltung hat alles übergreifend einen
Maßstab und klopft jede Äußerung darauf ab, die an sie herangetragen
wird: Wie erspare ich mir Arbeit?
Ich vergaloppiere mich gerade mitten in
der Feierstimmung. Denn ich bin ja gut gelaunt heute. Die
"Nomadenkunst" ist ein rundes Ding und liegt innerlich hinter
mir. Vor mir liegt die Option, als Künstler in den ihm vor die Nase
gehaltenen Pfaden - ah, da haben wir die Kurve zu den Unwesen der
Verwaltung - rein gar nichts mehr zu tun. Insbesondere nicht mehr
- an Wettbewerben teilzunehmen
- Ausschreibungen mitzumachen
- Galeristen anzubetteln
- bei der Stadtverwaltung nachzufragen
- Sponsoren zu suchen
Kurzum: Der ganze Kunstzirkus kann mich
nunmehr. Danke, dass es euch gibt, für "junge Talente" und
"die Besten" und so weiter. Ich liege nun aber nicht mehr zum
Verspeisen auf euren Seziertischen. Denn ich hatte das alles. Ein
paarmal. Irgendwelche Preise, einen lieben Galeristen, Förderjahre,
einen Sponsor, Verhandlungen mit der Stadt.
Ich fühle mich nicht weg vom Fenster. Es
gibt nur Ideen, Substanz, Chancen ohne Zwischenhändler, Zwischenredner,
Zwischenproduzenten, Zwischengeldgeber. Das ist viel größer und mein
Fahrwasser. Dieses komplette Kartenspiel an Homepages, Bube, Dame,
König, As und eine Truppe kleinerer Zahlen, wie ich es - zu meiner
eigenen Überraschung, es war wie eine aufgehende Patience - 2011 im
Internet aufblättern konnte, das ist schon mein Fahrwasser.
Das Leben
mitten in einer kunsttreibenden Halle, und diese "Halle"
empfinde ich gerade als überall aufschlagbar, Festivals, Zeltplätze,
Ruinen, Schlösser, Flughäfen, Fabriken, Äcker, Farmen, Zirkuszelte... das Leben in einer arbeits- und kontaktintensiven Insel
aus Kunst ist ja dann ein gelegentliches Ankommen - und mehr als
gelegentlich brauchen wir Männer gar nicht anzukommen - in der Oase,
die anfangs noch fata-morgana-haft klingend meine Nomadenkunst-Homepage
eröffnet: "Die Suche
nach Oasen in der Kunstwüste".
Ich habe erlebt, dass ich ankam, gut
ankam. Dass ich hinreiste, Gewünschtes erlebte, erwünscht war und
blieb, und wir uns freudig erinnern, wenn wir uns später treffen. Ja
genau, wenn wir uns später treffen: Auf der Rolltreppe heute kam eine
Stimme von hinten... ein Gesicht, das ich nicht erkannte: Diese Frau
hatte bei Utopia Parkway eine markante Brille getragen und knallbunte
Kleidung... nun stand sie da in Straßengrau... und es war dann aber
gleich wieder da: Das Gefühl der schwungvoll sozial-künstlerisch
erfolgreichen Aktion vom März 2011, Galerie "Drei Welten",
"Utopia Parkway". Wir kennen uns, wir wissen, was wir drauf
haben, wir können gemeinsam in die nächste Schlacht ziehen. Toll.
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