Chris   Mennel
KUNST

Geldende
Home ] Nach oben ] Moderator ] Journalist ] [ Geldende ] Gelddeppen ]

  

Schlussgedanken, nachdem ich vom 4. bis zum 9.9.2011 drei Homepages zu frisch gelaufenen Kunstereignissen erstellt hatte und den Beteiligten die Links gemailt hatte - dabei aber den Schritt herüber zur Verlinkung mit "Nomadenkunst" unterlassen hatte.
   

Die Links auf dieser Seite führen heraus aus dem Karussell der Kunst-Homepages.

Ansonsten wird der Besucher hier ja hin und her und in der Bilanz im Kreis geleitet. Aus diesem Text heraus springst du aber zu einer Insel aus drei Kunst-Homepages, die nicht zu "Nomadenkunst" zurückverlinken.

... jetzt ist September 2011 und zweierlei fällt mir auf: 1. Es reicht. 2. Irgendwas geht weiter. 

Zu 1. Es reicht: Die "Kunstgalaxis", die ich in diesem Jahr 2011 fertigzustellen schaffte, im Internet mit der Drehscheibe www.hyp.de verknüpft, im "Kunstcomputer" dann als Galaxis dargestellt, ist zwar einerseits aus meiner Sicht noch eine Baustelle. Aber sie ist verflucht rund dann doch. "Verflucht" deshalb, weil sie schon viel zu groß ist, als dass irgendwer "von draußen" sie überhaupt noch erfasst. Das ist nicht eigentlich tragisch - ist dieses Geflecht von Homepages rund um meine Sicht und Eigenproduktion an Kunst doch mehr Vorbereitung als Hinausposaunen, mehr Wahrung der Deutungshoheit als Künstler, als dass es schon nach Wahrgenommenwerden ruft. 
Ich spürte aber eine Bremse, noch am Gefüge und an der Angebotsmenge der bestehenden Kunstgalaxis zu rütteln, als mir ab August 2011 - nach Jahren des eher kargen Dahindümpelns in der Stuttgarter Kultursteppe - gleich nochmal so ein Leckerbissen den Mund stopfte, wie es, die Kunstgalaxis irgendwie abrundend, das Führen der Galerie "Drei Welten" im März 2011 geschafft hatte: Ich nahm am "Sommeratelier Tübingen" teil, große Halle, super Mit-Artisten, funktioniernd-anarchistische Organisation.

Zu 2. Irgendwas geht weiter. Die Inhalte, die ich im Sommeratelier erarbeitete, erspielte, ertestete, haben eines gnadenlos gemeinsam und werden deshalb hier beim Thema "Geldverdienen" durchdacht: Sie haben eigentlich nichts mehr mit Geldverdienen zu tun. Keine Richtung da hin, kein Gefühl dafür, keine Notwendigkeit auch. Insbesondere erleichternd ist die fehlende Notwendigkeit, als Künstler bitte noch dieses Jahr Geld zu verdienen. Heraus aus dem Crash als Vollkünstler 1998, heraus aus dem Crash als Vollarbeiter bis 2007, kann ich mich mittlerweile korrekt finanzieren und doch Zeit freistellen. Für die eine Woche, die ich im Sommeratelier tastsächlich präsent war, habe ich fette vier Wochen Sommerzeit insgesamt investiert - nichts anderes gemacht. Investiert in die beste Party - mehr wert, als auf den Mount Everest zu klettern, als am Bundespresseball teilzunehmen, als ein Rockfestival.

Nichts geht über tiefsten Underground! Ich merke nun nachdrücklich, dass ich auf Hinterhöfe und unaufgeräumte Zimmer programmiert bin. Ich wusste es schon immer, es entsprach nur nicht der gesellschaftlichen Botschaft - fröhliche konsumbereite Menschen in der Werbung, anzugtragende Jungschaffer im Geschäft, morbide Rumsitzer in der Gothic-Szene - alles doch anstrengend für mich. Gerade, einfach und billig. Schnörkellos provisorisch und zu ganz vielem bereit. So ist mein Raum, so tickt meine Zeit.

Die drei Homepages, die diese Sommerkunst 2011 feiern, liegen nach meinem Gefühl außerhalb des mit "Nomadenkunst" gelaufenen Kreises. "Kunstcomputer" ist nun ein öffentlich funktionierender Arbeitsplatz von mir - eine verrückte Aufhebung des zuvor privaten Werkelns, möglich geworden durch die Identität der Universalmaschine "Computer" mit den Objekten der Ausstellung. Die "Motive als Künstler" präsentiere ich mit Ironie, doch es ist nach meinem Gefühl ein kunsttheoretischer Schlussknall, erleichternd in seiner Fassbarkeit. "Eine Erfindung ist dann angekommen, wenn sie im Kindergarten herumliegt" hat Ernst Bloch mal am Beispiel der Dampfmaschine erläutert. Ja, Schluss, Bilanz, raus aus dem Affentanz. Der "Shedblog" ist ein Reisebericht: Ich reiste durch Angebote des Sommerateliers - was will ich mehr? Gar nichts. Das ist es. Das war es: Reisenkönnen, Pausenkönnen, und zwar unbedingt außerhalb des Kommerzes. Das Sommeratelier war nicht kindisch-spielerisch, denn es war intensive Arbeit. Aber es war eine schlüssig-spielerische Selbstbeschenkung: Du schaffst, und greifbar daneben gibt es erwünschten Lohn.

"Lohn"? Lohn ist, dass du erfüllt leben kannst. Geld ist ein praktisches Universaltauschmittel. Jeder Idiot, der daraus ein Verschuldungssystem aufbaut, gehört aus dem Kreis getreten. Ein solcher Idiot ist Deutschland seit 1969. Ich habe keine Schulden gemacht, im Gegenteil, ich wurde vom deutschen Finanzamt ruinös geplündert. Aus meiner Sicht sind, leise und deshalb so übersehen, diese Verwaltungsstellen ohne Bürgerbesuchsmöglichkeit der Ruin eines Systems. Unkontrollierte Verwaltungswalfische haben den Staatskommunismus ruiniert, lassen mit ihrem Wachstum Firmen bankrott gehen und sind die Brocken, für die ein viel zu hoher Steueranteil verbraten wird. 

"Wo Gründlichkeit auf Einfalt trifft, entsteht Verwaltung". Wie wahr. Ich zahle gefühlte dreißig Prozent meiner Einnahmen in Deutschland bereits dann für diese Einfalt, wenn ich gar keine Einnahmen habe. Unlogisch? Ja. Aber das lässt die Verwaltung kalt. Verwaltung hat alles übergreifend einen Maßstab und klopft jede Äußerung darauf ab, die an sie herangetragen wird: Wie erspare ich mir Arbeit?

Ich vergaloppiere mich gerade mitten in der Feierstimmung. Denn ich bin ja gut gelaunt heute. Die "Nomadenkunst" ist ein rundes Ding und liegt innerlich hinter mir. Vor mir liegt die Option, als Künstler in den ihm vor die Nase gehaltenen Pfaden - ah, da haben wir die Kurve zu den Unwesen der Verwaltung - rein gar nichts mehr zu tun. Insbesondere nicht mehr

- an Wettbewerben teilzunehmen
- Ausschreibungen mitzumachen
- Galeristen anzubetteln
- bei der Stadtverwaltung nachzufragen
- Sponsoren zu suchen

Kurzum: Der ganze Kunstzirkus kann mich nunmehr. Danke, dass es euch gibt, für "junge Talente" und "die Besten" und so weiter. Ich liege nun aber nicht mehr zum Verspeisen auf euren Seziertischen. Denn ich hatte das alles. Ein paarmal. Irgendwelche Preise, einen lieben Galeristen, Förderjahre, einen Sponsor, Verhandlungen mit der Stadt.

Ich fühle mich nicht weg vom Fenster. Es gibt nur Ideen, Substanz, Chancen ohne Zwischenhändler, Zwischenredner, Zwischenproduzenten, Zwischengeldgeber. Das ist viel größer und mein Fahrwasser. Dieses komplette Kartenspiel an Homepages, Bube, Dame, König, As und eine Truppe kleinerer Zahlen, wie ich es - zu meiner eigenen Überraschung, es war wie eine aufgehende Patience - 2011 im Internet aufblättern konnte, das ist schon mein Fahrwasser. 

Das Leben mitten in einer kunsttreibenden Halle, und diese "Halle" empfinde ich gerade als überall aufschlagbar, Festivals, Zeltplätze, Ruinen, Schlösser, Flughäfen, Fabriken, Äcker, Farmen, Zirkuszelte... das Leben in einer arbeits- und kontaktintensiven Insel aus Kunst ist ja dann ein gelegentliches Ankommen - und mehr als gelegentlich brauchen wir Männer gar nicht anzukommen - in der Oase, die anfangs noch fata-morgana-haft klingend meine Nomadenkunst-Homepage eröffnet: "Die Suche nach Oasen in der Kunstwüste".

Ich habe erlebt, dass ich ankam, gut ankam. Dass ich hinreiste, Gewünschtes erlebte, erwünscht war und blieb, und wir uns freudig erinnern, wenn wir uns später treffen. Ja genau, wenn wir uns später treffen: Auf der Rolltreppe heute kam eine Stimme von hinten... ein Gesicht, das ich nicht erkannte: Diese Frau hatte bei Utopia Parkway eine markante Brille getragen und knallbunte Kleidung... nun stand sie da in Straßengrau... und es war dann aber gleich wieder da: Das Gefühl der schwungvoll sozial-künstlerisch erfolgreichen Aktion vom März 2011, Galerie "Drei Welten", "Utopia Parkway". Wir kennen uns, wir wissen, was wir drauf haben, wir können gemeinsam in die nächste Schlacht ziehen. Toll.