Chris   Mennel
KUNST

Journalist
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"Ich bin Tierheilpraktier" - das darf jeder sagen. Es ist ein "ungeschützter Beruf". Ich sage das nicht. Aber "Ich bin Journalist" - das ist meine Option, falls ich mal nichts Originelleres vorhabe. Als Journalist kann sich auch jeder ohne Vorwarnung ausgeben. Deshalb reicht die Spannweite von grausigen bis genialen Journalisten. Man muss sich das vor Augen halten, wenn da jemand vor einem steht und die Rolle des Journalisten spielt: Das kann grausig werden. Bis heute war ich nie Zeitungsjournalist, nur eben, welch ein Durchmarsch, gleich Moderator im Regionalfernsehen. Wenn man so will, sind aber meine Auftragsfilme für Hochzeiten und Geburtstage schon Journalismus. Damit habe ich von 1992 bis 2010 etwa das Zehnfache verdient wie als Künstler, und das ganz nebenbei und immer steuerfrei. Dienstleister sind eben eine klare Sache. Ein Kunstwerk lässt sich durch eine Blumenvase ersetzen, ein Hochzeitsfilm nicht.
 

Zum Film oben:

Der "Stuttgarter Filmwinter" ist eine Melange aus künstlerischer Trampelei und unerklärbar zusammengestellten Wettbewerben. Das darf aber niemand sagen oder zeigen. Es gibt eine seriösistische Pressearbeit und ein sponsorengerechtes Selbstverständnis, gegen das auf dem konkret stattfindenden "Filmwinter" dann verstoßen wird. 2010 habe ich aber doch mal in Youtube der Veranstaltung einen journalistischen Spiegel vors Gesicht gehalten: Abstrus und überaltert gestartet, schräg moderiert, verwirrend geendet, dabei aber eine auf den zweiten Blick eben kunsthaltige Form erstellt. Grins.

Zum Film oben:

"Zeig mich, wie toll ich bin. Da, nimm ein paar Geldscheine..." Rechtlich sind meine Geburtstags- und Hochzeitsfilme ungeklärt. Ich halte mich aber an den Codex der Privatfilmer und glaube, die Auftraggeber erwarten und würdigen das so auch: Nix geht raus. Hier, für "Nomadenkunst", geht mal eine Filmaktion doch raus, weil sie bis auf ein Kompliment an die Braut nichts Privates enthält. Es war eine blind-akrobatische Filmaktion, auf die ich stolz bin: Allein im Journalisten-Auto sitzend und steuernd, habe ich doch den Autokonvoi mit hallenden Hupen quer durch den Tunnel gefilmt.

Jetzt juckt es mich in den Fingern, in den Tiefen dieser Seite noch zwei filmjournalistische Privatbeiträge zu verstecken. Es handelt sich um Bausteine, die aus der Dokumentation des Stuttgarter Filmwinters 2010 herausgenommen wurden.

Diese zwei Filme einen Stock tiefer zeigen meine Neigung, nicht durchzuplappern. Solange ich das Bild für machtvoll genug halte, halte ich die Klappe. Rechts wird sogar nur geschaut und gar nicht geredet.