| Das ist
typisch für Kunst, die Geld bringt: Maßgeschneidert für den
Auftraggeber muss sie sein. Hofschauspieler war ich quasi, höflicher
Narr. Wenn die „Kunst" dann richtig knallig Kohle bringt,
drängeln sich natürlich die Bieter. Zwei Jahre lang hielt ich mich als
Fernsehmoderator, bevor mich eifrigere Menschen verdrängten.
Vier Monate nach meinem Abgang machte der Laden dicht :-)) Solcher Konkurs steckte
allerdings in seiner Substanz von Anfang an, und ich habe das Bestehen
des regionalen Sendebausteins „Wir in Baden-Württemberg"
innerhalb von SAT 1 weder deutlich befördert noch hat mein Fehlen
seinen Abgang beschleunigt.
Glück hatte ich da einmal im Leben an
merkwürdiger Stelle, glattes zufälliges Glück. Na gut, auch Talent
beim Casting. Weil ich keinen Gedanken zuvor darauf verschwendete.
Die Kamera war auf mich gerichtet, also benahm ich mich munter, und ein
eigenwillig-amüsanter Unterhalter bin ich dann ja durchaus. Sofort
wurde ich als Moderator eingesetzt.
Etwa ein Jahr lang steigerte sich das
bis zum „Mann mit der eigenen Sendung" - „Kino in
Baden-Württemberg". Im letzten Halbjahr verteilte es sich in zunehmend schräge
Universal-Moderationen, von den Nachrichten (kann ich schlecht) bis zur
Sektwerbung (klappt). In dieser Zeit tauchten Konkurrenten im Studio
auf, glatter, gieriger als ich. Vielleicht auch billiger?
Gegen Ende meines zweiten Jahres bei
Modern Video - so hieß der Schuppen - war ich schließlich nur noch als
Rettungsmoderator im Einsatz, mit dem Taxi eilig herbeigefahren, wenn
ein Neuer ausfiel. Honorar gab es immer direkt für den Tageseinsatz,
400 DM, danke. Ich arbeitete ohne Vertrag - meine Rechte habe ich schriftlich nie
abgetreten. |
Die Blicke auf
der Straße sagten mir manchmal: Den kenne ich doch aus dem Fernsehen,
oder ist das ein Doppelgänger? Und meine Freunde meinten, ich hätte
das Karriereziel erreicht, ich wäre auf dem Erfolgsweg: Moderator, das
ist doch der Hammer.
Ja, ich genoss das. Ja, ich konzentrierte mich auf
den Job, übte, soweit es da etwas zu üben gab. Arrangierte mich mit
passender Kleidung und einer ewig zickigen Frisur. Nein, es war kein
Karriereziel von mir, es war ein geschenkter Höhepunkt meines Lebens.
Ein Praktikant bei Modern Video hatte ihn mir geschenkt. Sein Chef hatte ihn gebeten, das Drehbuch für einen Bericht
über regionale Kleinkunst zu schreiben. Der Praktikant kannte mich und fragte, ob er
mich ganz konkret als Moderator in sein Skript hineinschreiben könne.
Ja, sagte ich. Das Drehbuch gefiel dem Chef, es sollte gedreht werden -
und ich wurde zum Casting geladen. Der Rest ist Geschichte :-)
Von dieser Geschichte sind meine
Aufzeichnungen übriggeblieben, die ich manchmal in den Videorekorder
programmierte: Nimm diese Sendung zu dieser Stunde auf, damit ich selbst
sehe, wie ich rüberkomme, und mich vielleicht verbessern kann. Ein
zufälliger Bruchteil der Sendungen mit mir, anfangs viele, später
nachlässig wenige, ist nun erhalten. Supertoll finde ich mich nie,
bescheuert aber auch nicht. Etwa die
Hälfte der von mir aufgezeichneten Moderationen steht mittlerweile im Netz.
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