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02.04.2012      Autorin: Ulrike Stahlfeld      Feuerwesen versteckt sich im Schloss

Mühlhausen dient als Kulisse für ein filmisches Märchen aus der Renaissance – Weinliebhaber werden zu Schauspielern
„Action! Kamera läuft!“: Das Schloss Mühlhausen ist Kulisse für ein ungewöhnliches Filmprojekt gewesen. Der vor historischem Gemäuer gedrehte Film wird bei einer sinfonischen Weinprobe am 27. Oktober zu sehen sein.

Von Ulrike Stahlfeld

Mühlacker-Mühlhausen. „Ich habe die Grundvision, dass sich im Wein die vier Grundelemente wiederfinden wollen“, sagt Medienkünstler Chris Mennel aus Stuttgart. Um diese Vision in Bildern auszudrücken, scheut der Regisseur aus Stuttgart keine Mühe. Für das Element Luft ging es mit der Kamera im Heißluftballon über die Weinberge. Eine Kanufahrt auf der Enz war dem Wasser gewidmet. Um sich dem Element Erde anzunähern, besuchte Mennel eine Weinlese.

Nach Luft, Wasser, Erde stand bei den Dreharbeiten am Wochenende in Mühlhausen das Thema Feuer im Mittelpunkt. „Der Gast aus dem Feuer“ heißt das Märchen für Erwachsene, das in der Renaissance spielt.

Ein Schmied findet ein Rezept, das ihn befähigt, aus Feuer und Metall ein lebendes Wesen herzustellen. Noch bevor der Vorgang beendet ist, verschwindet das von ihm erschaffene Feuerwesen. Es versteckt sich im Schloss, das es magisch verzaubert. So gibt es unter anderem eine Weinprobe, bei der Flammen über den Gläsern schweben. Weinprobe? Dass Regisseur Mennel nicht nur Elemente aus den Märchen „Der Froschkönig“ und „Die sieben Raben“ übernommen hat, sondern auch im Lembergerland dem Wein eine zentrale Bedeutung beimisst, ist kein Zufall.

Auch ist es kein Zufall, dass der Schmied, der das Feuerwesen erschafft, im wahren Leben Rolf Allmendinger heißt und Kunstschmied sowie Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen ist. Ebenfalls keineswegs zufällig spielt der Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei, Bertram Haak, den König. Auch seine Gemahlin, die Königin, kennt sich bestens mit dem edlen Tropfen aus. Gabi Maurer hat ebenfalls ihren Arbeitsplatz von der Genossenschaft an das Set verlegt.

Dass Weinliebhaber plötzlich zu Schauspielern werden, hat einen triftigen Grund. Sämtliche Aufnahmen des Medienkünstlers über die vier Elemente werden bei einer sinfonischen Weinprobe am 27. Oktober in der Stadthalle von Vaihingen zu sehen sein, musikalisch begleitet vom Sinfonieorchester der Universität Stuttgart.

„Das tägliche Leben ist sowieso Theater“, philosophiert Allmendinger humorig während der Dreharbeiten über sein neues Betätigungsfeld. Allen Laiendarstellern macht es sichtlich Spaß. Als Schmied sorgt der Roßwager vor allem er für die feurige Komponente im Film.

Und noch weitere bekannte Bürger der Region tauchten am Samstag am Filmset auf. Paul Revellio, Mitglied der Mühlacker Künstlergruppe, mimt – wie könnte es anders sein – den Maler im Film. Seine Lebensgefährtin Judith Klöfer, im wahren Leben Lehrerin an der Schillerschule, schlüpft in die Rolle einer Magd.

Revellio stammt wie einige andere Akteure aus Villingen. Daher die Verbindung zu den Schauspielern, die wiederum dem Verein Unifilm in Stuttgart angehören. Für seinen Auftritt hat Revellio eigens ein Bild vom Schloss gemalt. Über dem Schloss schwebt ein feuriger Vogel, der mystische Phönix, der verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen.

Mit dem Schloss Mühlhausen hat Regisseur Chris Mennel den idealen Drehort gefunden. Die Spiegelstube wird kurzerhand zum Backstage-Bereich umfunktioniert. Der Kristallsaal, der Rote Saal und der Innenhof des Schlosses bieten die perfekte Kulisse, die Besitzer Roland Rauschmayer nur allzu gerne zur Verfügung gestellt hat: „Das Projekt hat mit der Region zu tun – so etwas werde ich immer unterstützen.“ Für den neuen Schlossherr ist Mühlhausen längst zur neuen Heimat geworden. Das ungewöhnliche Filmprojekt will nun dafür sorgen, dass die Zahl der Fans für die Kulturlandschaft und deren Wein weiter wächst.

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Kommentar zum unteren Foto:

Gaukler, Ritter und Könige bevölkern das Schloss Mühlhausen. In die adeligen Rollen schlüpfen Bertram Haak (2. v. li.), Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen, und seine Kollegin Gabi Maurer (Mitte). Fotos: Stahlfeld