Impulse
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Dieses Foto gibt es ohne Unterschrift, also schmaler, schon auf der Startseite. Es handelt sich um eine von vier Postkarten mit gedruckten kurzen Textimpulsen, die aus der Aktion "Lauschpirsch" bisher hervorgegangen sind.  Hier gibt es noch  "Nichtssagend"  und   "Wortkette".

Schwankt der Boden, wenn und weil man lauscht? Ja, symbolisch kann das passieren. Wo und wie immer man in die Tiefe lauscht oder denkt, platzt das dinglich Gegebene auf. Sterne und Kosmos und Zeitstillstand und Ewigkeit und Moment stehen starr und riesig, tot und mechanisch, elegant und böse, blind und nah und fern um den Lauschenden.

Soll ich das nicht nur schreiben, sondern auch verdeutlichen? Na dann setzen wir mal die Fotobearbeitung in Gang. Soeben ist der 12.2.2013, nachts um 2.41.... Zeit vergeht... Zeit vergeht...  Gong! 2.52 haben wir. Für elf Minuten war ich also weggetreten... um folgendes Bild aus dem obigen zu erzwingen:

Da ist nur noch das schmale Dreieck mit den Menschen real, ungefähr innerhalb des geraden Stahlseils, das die Brücke hält. Ansonsten: die Schatten haben sich böse verdeutlicht, das Geländer ist ins Negativ gekehrt, von oben hereinragende Äste sowie der Himmel sind psychodelisch farbverstärkt, und der Boden um den Text ist rosa. Die Bild-Umgestaltung teilt eine Verformung der Wahrnehmung mit. Unverstehbare Botschaften von bedrohlich bis reizvoll sollen aufdämmern. Die Intensivierung einer Situation durch bewusstes ergänzenden Wahrnehmen ihres Klanges wird verdeutlicht. Hat das geklappt (Händeklappern ist zu hören)? Danke :-)

Solche digitalen Schlachten lasse ich eigentlich nur Bildern angedeihen, deren Botschaft gradlinig nicht zum Zuge kommt. Bei diesem Foto meine ich, dass die pure Naturwiedergabe, mit den tatsächlich von oben ins Bild hängenden, tatsächlich meinen Kopf umzackenden Ästen, mit den Stahlseillinien, die tatsächlich in mich hineindeuten, mit dem stürmischen Schal und dem schwarzen Anorak, der aussieht, als würde er gemeinsam mit meinen an die Ohren gelegten Händen Klang empfangen... bei solchen Gegebenheiten des unverfälschten Fotos ist nach meiner Ansicht ein digitales Verstärken so dumm wie das Hineinrühren von Zucker in Honig. Das digital verfremdete Foto war hier halt mal eine Spielerei im Rahmen meiner Lauscherei.